28-03-17 |  13:52
Farbe bekennen

VON: DIERK HARTLEB

WOCHE DER BRÜDERLICHKEIT Eindringliches Plädoyer für christlich-jüdischen Dialog

HAMM - "Der christliche Glaube ist nur so lange christlich, als er den jüdischen in seinem Herzen trägt." Mit diesem Wort des Neutestamentlers Ernst Lohmeyer beendete Erhard Nierhaus seinen Vortrag zur Eröffnung der 33. Woche der Brüderlichkeit in Hamm, der den Titel trug "Christliche Kirchen und Judentum seit 1945".


Foto: Dierk Hartleb

Der frühere Superintendent des Kirchenkreises Hamm, der wesentlichen Anteil an der Neujustierung des Verhältnisses der westfälischen Landeskirche und dem Judentum in Deutschland hat, beschäftigte sich in seinem Vortrag ausgiebig mit den Wurzeln des Antijudaismus und erinnerte an eine Begegnung mit dem Rabbiner und Gelehrten Albert H. Friedlaender in Ahlen, wo Nierhaus vor seinem Wechsel nach Hamm als Gemeindepfarrer tätig war. Friedlaender habe ihm in einem denkwürdigen Gespräch im Rahmen der Woche der Brüderlichkeit in Ahlen mit auf den Weg gegeben: Um den Anti-Judaismus zu eliminieren, müsse man zunächst dessen Wurzeln ausgraben, sie eingehend beleuchten und anschließend selbst Farbe bekennen. Insofern weise das Leitwort der bundesweiten Woche der Brüderlichkeit "Nun gehe hin und lerne" in die richtige Richtung. In diesem Zusammenhang bedauerte es Nierhaus, dass es auch heute noch Lehrbücher gebe, die von antijudaistischem Gedankengut noch nicht frei seien und dass sich angehende evangelische Theologen in ihrem Studium bis heute nicht verbindlich mit dem Judentum beschäftigen müssten.

Zuvor war Superintendent Frank Millrath in seinem Grußwort auf die frühere jüdische Gemeinde Hamm eingegangen, die in der NS-Zeit ihre Synagoge auf eigene Kosten abreißen lassen musste. Der Schutt sei dann als Fundament für den Nordenstiftsweg verwendet worden. Was das für die Gläubigen bedeutet haben müsse, könne man sich kaum vorstellen. Millrath leitete daraus die Forderung ab, weiter gegen das Vergessen zu arbeiten und sich gerade auch im 500. Jahr der Reformation dem eigenen schweren Erbe auf das christlich-jüdische Miteinander zu stellen. Der Hammer Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann kritisierte die Ablehnung von Menschen, die vor Krieg und Terror geflüchtet seien und eine sichere Zuflucht suchten. Rechtspopulisten, denen angeblich die Bewahrung des christlichen Abendlandes am Herzen liege, müssten sich nach ihrem Christusbild fragen lassen. Christ zu sein bedeute nicht, es zu sein, wenn es einem gerade passe und ansonsten keine Verantwortung übernehmen zu wollen. Gleichwohl, so Hunsteger-Petermannm, dürften sich Vorfälle wie in der Kölner Silvesternacht 2015 nicht wiederholen und seien, so weit möglich, mit aller Härte zu bestrafen.    hat




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