12-09-14 |  11:09
"Wir haben was zu sagen!" - Gelungenes Frauenmahl in Hamm

VON: NICOLE RICHTER

"Es war schnell ausverkauft!", freut sich Astrid Taudien, Pfarrerin an der Hammer Pauluskirche und meint das Frauenmahl in Hamm, das am 05.09.2014 stattfand. Sie ist eine der Koordinatorinnen und schaut auf eine gelungene Veranstaltung mit 105 Teilnehmerinnen zurück.


"Das alles war nur möglich, weil so viele Frauen an einem Strang gezogen haben", weiß Pfarrerin Ute Böning, Frauenbeauftragte des Kirchenkreises Hamm. Zum ersten Mal hat das breite Frauenbündnis ein Frauenmahl in Hamm organisiert. Kooperationspartnerinnen waren u.a. die Gleichstellungsstelle der Stadt Hamm, der Bezirksverband der Ev. Frauenhilfe, das Ev. Forum, die Hammer Frauenverbände und das Frauenreferat der EKvW.

Sie alle hatten gemeinsam die langen Tafeln in der Stadtkirche festlich gedeckt, ein vegetarisches Essen bestellt und fünf versierten Frauen aus Politik, Kirche und Gesellschaft als Rednerinnen eingeladen. Die prominenteste Rednerin des Frauenmahls ließ allerdings am längsten auf sich warten. Es war Heide Simonis, die ehemalige Ministerpräsidentin. Sie konnte aufgrund eines verzögerten Zuges erst später teilnehmen als erwartet. Als sie in der festlich dekorierten Kirche eintraf, wurde sie von den 105 Frauen klatschend und mit "Standing Ovation" herzlich begrüßt. In ihrer Rede plädierte Heide Simonis für ein offenes aufrechtes Miteinander in der Politik und im alltäglichen Leben. Sie gab den Zuhörerinnen den Rat, immer genau zu schauen, wo die Macht liege und genau dort Einfluss zu nehmen und sich aktiv in das gesellschaftliche Geschehen einzubringen.

Ekin Deligöz, Mitglied des Bundestages und dort u.a. im Haushaltsausschuss tätig, sagte in ihrem Redebeitrag: "Sozialpolitik ist kein Luxus! Sie ist die Grundlage unserer Gesellschaft." Auch in unserem reichen Land, gäbe es Armut und diese sei zunehmend weiblich. Sowohl alte, aber auch junge alleinerziehende Frauen hätten oft nicht genug Geld, um ein gesichertes Leben führen zu können. Grund dafür seien u.a. die schlechte Bezahlung von weiblichen Arbeitsfeldern und atypische Beschäftigungsverhältnisse wie Minijobs. 

Dr. Kristina Dronsch, von den Evangelischen Frauen in Deutschland, sprach aus der Perspektive einer klugen und mutigen Frau des 16. Jahrhunderts zu dem durchweg weiblichen Publikum. Sie tauchte - mit Kostüm -, in die Lebensgeschichte der Reformatorin Argula von Grumbach ein. Diese war eine Frau, die sich für die Lehren Martin Luthers einsetzte, auch wenn sie daraufhin alles verlor. Sie war fest davon überzeugt, dass jeder Mensch - auch Frauen - ihren Glauben verkünden sollten. Dr. Kristina Dronsch verwies abschließend auf die Webseite www.frauen-und-reformation.de, auf der viele Frauen zu entdecken seien, die schon früh "etwas zu sagen hatten!".

Superintendentin Annette Muhr-Nelson aus dem Nachbarkirchenkreis Unna machte die Zuhörerinnen auf das Jubiläum "40 Jahre rechtliche Gleichstellung von Frauen und Männer im Pfarramt" aufmerksam. "Ist jetzt in der Evangelischen Kirche alles erreicht?", fragte sie provokativ. "Nein, sicher nicht", antwortete sie weiter, auch wenn sich schon einiges getan habe. Sie erinnerte sich an Situationen, in denen sie die Ungleichheit zwischen Frauen und Männern  in der Kirche hautnah erfahren habe. Z.B. als sie in ihrer Gemeinde mit "Guten Tag, Frau Pfarrer", begrüßt und dann gefragt wurde, wann  denn ihr Mann käme, um den Gottesdienst zu halten. "Diese Zeiten sind noch nicht sehr lange her", erinnerte Annette Muhr-Nelson, die heute eine von sieben Frauen in Führung in der Evangelischen Kirche von Westfalen ist. Sie plädierte für die Anerkennung der Vielfalt in "versöhnter Verschiedenheit" - auch im Pfarrberuf.

Ute Knopp, Hammer Stadtarchivarin, zeigte beeindruckende Spuren bedeutender Frauen aus Hamm auf und machte Mut, die Geschichte von Frauen der Stadt aktiv zu erkunden. "Es gab sie, die Frauen, die Geschichte mitgestaltet haben, aber oft wurden ihre Geschichten in den Büchern unterschlagen."  Die fünf Rednerinnen hatten etwas zu sagen, so wie angekündigt.  Zwischen den Reden gab es ein vegetarisches Buffet und viele intensive Gespräche unter den anwesenden Frauen. Den musikalischen Rahmen setzte das Duo Caprice durch stimmungsvolle Musik mit Geige und Gitarre. "Ein rundum gelungener Abend!", lobten verschiedene Teilnehmerinnen am Ende die Veranstaltung und wollten sich bereits zum nächsten Frauenmahl anmelden. Wann und wo Frauenmahle stattfinden, kann unter www.frauenmahl.de eingesehen werden, denn Frauenmahle finden bis zum Reformationsjubiläum 2017 bundesweit statt.


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