12-01-21 |  09:31
Die TelefonSeelsorge Hamm hat immer ein offenes Ohr

"... dem Leben zuhören." Seit über 40 Jahren fühlt sich die TelefonSeelsorge Hamm (TS Hamm) diesem Motto verbunden und hat für Menschen in Krisen und Notsituationen ein offenes Ohr.


Gerade an besonderen Feiertagen wie Weihnachten und Silvester oder in extremen Situationen wie dem anhaltenden Lockdown nutzen Menschen dieses ökumenische Seelsorgeangebot. Zu Weihnachten sei die TelefonSeelsorge noch gefragter als sonst im Jahr. Das sagt Michael Grundhoff, Diplom-Pädagoge und stellvertretender Leiter der kirchlichen Einrichtung mit Sitz in Hamm. "Und dieses Jahr sind wir durch Corona zusätzlich noch in einer besonderen Situation", ergänzt Petra Schimmel, Leiterin der TelefonSeelsorge Hamm. So führten Ehrenamtliche von Heiligabend bis zum 27. Dezember um die 30 Gespräche pro Tag. Oft berichteten die Anrufenden, wie einsam sie seien.

Andere erzählten von ihren Ängsten wegen Corona, häufig komme beides zusammen. Ist die Telefonleitung besetzt, wird weitergeschaltet. Die Mitarbeitenden der TelefonSeelsorge sind rund um die Uhr für alle da, die reden möchten. Dieses Angebot nutzen viele Menschen. Die meisten von ihnen sind zwischen 50 und 69 Jahre alt. Vor allem Frauen melden sich. Ihr Anteil liege bei gut zwei Dritteln, nennt Michael Grundhoff einige grobe statistische Daten. Menschen, die allein in ihren vier Wänden sitzen, greifen zum Hörer und schildern, wie sehr es sie bedrückt, dass niemand sie besuche und sie keine Kontakte zu Verwandten oder Bekannten haben. Sie fühlen sich vergessen, die Leere in ihrem Leben macht ihnen zu schaffen. Dieses Thema kommt immer wieder zur Sprache; im harten Lockdown ist es aber von besonderer Tragweite. Michael Grundhoff weiß, dass zum Beispiel Bewohner/innen von Seniorenheimen in den Tagen vor Weihnachten grübeln, ob die Kinder sie denn zum Fest abholen. Es durfte nur im engsten Familienkreis gefeiert werden. Und wenn in dieser Konstellation vermeintlich kein Platz mehr für die alten Eltern ist? Oder wenn sie aus Quarantänegründen das Seniorenheim nicht verlassen dürfen?
An der Dauer der Gespräche werde deutlich, was Menschen in Pandemie-Zeiten schwer auf der Seele liege, so Michael Grundhoff. Er spricht nicht nur von mehr Gesprächen, sondern auch von einer längeren Gesprächsdauer - bis zu 30 Minuten im Durchschnitt. "Wir nehmen uns die Zeit", betont er.

Viele teilten sich auch im Chat mit, gerade junge Leute wählten die elektronische Kommunikation. "Im Chat wurden in diesem Jahr zusätzliche Schichten übernommen", erklärt Petra Schimmel, "und zwar erstmalig auch von zu Hause aus." Die Sozial- und Psychotherapeutin sowie Supervisorin ist zufrieden: "Alle angebotenen Chat-Schichten über die Feiertage waren ausgebucht!" Das bedeutet zusätzlichen Einsatz für die Ehrenamtlichen. "Sie waren sehr engagiert", sagt Petra Schimmel berührt. "Schließlich sind auch sie von der Krise betroffen und kennen aus eigener Erfahrung die Nöte der Anrufenden."

Die Leistung der TelefonSeelsorge würdigt auch die Bundesfamilienministerin Franziska Giffey in einem Grußwort: "Gerade in diesem Jahr hat sich gezeigt, wie wichtig das Angebot der Telefonseelsorge ist."    

TelefonSeelsorge Hamm (TS Hamm) wird vom Evangelischen Kirchenkreis Hamm und dem Gemeindeverband Katholischer Kirchengemeinden Hellweg Soest getragen und ist zuständig für die Region Hamm, Altkreis Beckum und Altkreis Soest. Ob am Telefon, im Chat oder per Mail - Die Mitarbeitenden der TelefonSeelsorge sind anonym, kompetent und rund um die Uhr für Rat- und Hilfesuchende da und machen kostenfrei das Angebot von Seelsorge und Beratung. Zudem bietet die kostenlose App "KrisenKompass" Hilfe bei depressiven Gefühlen und Suizidgedanken für Betroffene und Angehörige.

Weitere Auskunft: www.ts-hamm.de
Notruf-Nummern: (0800) 111 0 111 oder (0800) 111 0 222




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