07-12-20 |  11:31
Ev. Religionsunterricht unter Corona-Bedingungen - Erfahrungsbericht

"Ich bin sehr froh, dass ich noch Präsenzunterricht erteilen kann", sagt Pfarrerin Dr. Petra Gosda erleichtert. Seit drei Schuljahren unterrichtet sie Evangelische Religion am Städtischen Gymnasium und dem Berufskolleg St. Michael in Ahlen.



Und auch während des gegenwärtigen Lockdowns unterrichtet sie - wie alle ihre Kolleginnen und Kollegen - weiterhin tagtäglich und ist für ihre Schülerinnen und Schüler als verlässliche Ansprechpartnerin in der Schule präsent.

Unter Corona-Bedingungen zu unterrichten ist eine Herausforderung für Lehrende genauso wie für Schüler. Für den Religionsunterricht gilt das auf besondere Weise. Seit der Erfahrung des Lockdowns im Frühjahr, als Schulen komplett geschlossen waren, steht für Dr. Gosda fest: "Religion ist ein Präsenzfach und lebt vom Gespräch. Bei uns geht es nicht um reine Wissensvermittlung wie in den Naturwissenschaften." Das lasse sich beim digitalen Unterricht nicht erfassen.

Der Computer als Vermittler funktioniere nur nach mathematischen Prinzipien. "In Religion geht es um Herzensbildung und Orientierung", erklärt die Schulpfarrerin, die nur in den oberen Stufen unterrichtet. Gerade bei den älteren Schülern stehe das Gespräch im Vordergrund. "Es ergeben sich oft spannende Diskussionen", freut sich die Theologin und lacht. "Da kann ich auch noch was lernen." Doch der direkte Austausch und die Beziehungsebene gehen online verloren. Natürlich hat sie in der Zeit des totalen Lockdowns auch digital unterrichtet, hat Hausaufgaben gestellt, die die Schüler erfüllt haben. Auf diese Weise lasse sich zwar theologisches und biblisches Wissen abfragen und lernen, aber mehr sei nicht möglich. Denn die Bibel zum Beispiel vermittle keine naturwissenschaftlichen Fakten über die Entstehung der Erde und des Lebens. Das Buch der Bücher erzähle vielmehr Geschichten von Gott und den Menschen in wunderschönen Bildern.

Diese gilt es für Jugendliche erlebbar zu machen, damit sie nicht nur für die Schule auswendig lernen, sondern für sich und ihr Leben. Das gilt auch für die muslimischen Schülerinnen und Schüler, die zum Teil ein Drittel eines Kurses stellen. "Die Teilnahme ist natürlich freiwillig", unterstreicht Dr. Gosda. Aber die Neugier auf das Christentum und den Islam sei bei vielen sehr groß. Diesen interreligiösen Dialog empfindet die Theologin als ermutigendes Zeichen in diesen Zeiten.
Religionsunterricht unter Corona-Bedingungen bedeutet auch, sich den Ängsten der Schüler/innen zu stellen. Ängste, nicht nur die Eltern anzustecken, sondern auch sich selbst und die Freunde. Dabei tauche auch die Frage auf: Ist die Pandemie eine Strafe Gottes? Gerade durch Corona wird deutlich: Die Schulpfarrerinnen und Schulpfarrer sind nicht nur Lehrende im Fach Religion; sie sind immer auch Seelsorgerinnen und Seelsorger, die sich um die Nöte ihrer Schüler kümmern. "Ich hoffe sehr", betont Pfarrerin Dr. Gosda deshalb, "die Politik bleibt bei der Zusage und Schulen und Kitas werden nicht geschlossen."




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