Friedenskirche Friedensfenster
Friedenskirche Sendenhorst | Foto: Manfred Böning

Aktuelles aus dem Kirchenkreis Hamm

"Crash Kurs NRW" - Eine berührende Verkehrserziehung

 

Polizei- und Notfallseelsorger Thomas Melloh berichtet

Die Werkstatthalle des Maxiparks war mit rund 200 Jugendlichen gefüllt. Statt Kabarettisten und Musikern waren es jedoch Polizisten, Feuerwehrleute und Notfallseelsorger, die auf der Bühne standen. Ihr Publikum waren Schülerinnen und Schüler der elften Klassen aus ganz Hamm, denen auf sehr persönliche Weise die Risiken des Straßenverkehrs vor Augen geführt wurden. Authentische, persönliche Berichte und die Begrenzung auf das Hammer Stadtgebiet schufen einen Bezug, dem sich niemand der Anwesenden entziehen konnte.

So begann der "Crash Kurs" mit einem Video, das verschiedene Unfallkreuze aus dem Hammer Stadtgebiet aufzeigte. Eine junge Polizistin moderierte in ruhigen Worten, und die Einsatzkräfte schilderten ihre Betroffenheit, angesichts der eigenen Erlebnisse. Drastische Schilderungen des Einsatz-Erlebens, ergänzt um die Fotos von den Unfallstellen, aber auch die ehrlich geschilderten Sorgen bei jeder neuen Alarmierung hinterließen eine tiefe Beklemmung. Ganz berührend war der Bericht von Pfarrer Thomas Melloh. 

Der Gemeindepfarrer aus Bönen ist auch als Polizei- und Notfallseelsorger im Kirchenkreis Hamm im Dienst. Aus eigenem Erleben schilderte er die kritischste Situation, die es bei seiner Tätigkeit gibt: Eine Todesnachricht zu überbringen - vor allem bei Menschen, die er persönlich gut kennt. So ereilte ihn der Anruf, dass er zu einem schweren Verkehrsunfall kommen sollte. Dort erkannte er in dem Opfer einen befreundeten jungen Mann, der mit seinem Motorrad tödlich verunglückt war. 

Mellohs minutiöse Schilderung, von der Freude im Gesicht der Mutter, als sie den befreundeten Pfarrer sieht und dem Entsetzen, als sie - angesichts der Polizeibegleitung und der Notfallseelsorger-Jacke - den Grund des Besuchs versteht, machten tief betroffen. "Wir bleiben ja bei den Menschen, auch wenn die Polizisten zum nächsten Einsatz gerufen werden", erklärte Melloh. Das seien ganz besondere Situationen. Auch für einen gestandenen Pfarrer.

Am Rande der Veranstaltung erklärt der 63-Jährige auch, wie sein Dienst als Polizei-Seelsorger aussieht: "Wir stehen ja außerhalb der polizeilichen Hierarchie und sind der Schweigepflicht unterworfen", so der Pfarrer, der dieses Amt seit 2008 ausübt. Diese Sicherheit erleichtere es vielen Beamten, sich zu öffnen. Er und seine Kollegen stehen auch im Intranet der Polizei als Ansprechpartner, doch persönliches Kennen sei wichtig. Um ein niedrigschwelliges Kennenlernen zu ermöglichen, gebe es Frühstücksangebote und regelmäßige Besuche auf den Wachen.

"Dann erleben wir als Seelsorger, die die gesamte Bandbreite des Lebens kennen, alles gemeinsam mit denen, die diesen besonderen Dienst an der Allgemeinheit tun", so Pfarrer Melloh. Von der Verarbeitung von Einsätzen, Beziehungskrisen, bis hin zu Trauungen sei alles dabei. "Durch den Schichtdienst kennen uns viele Polizisten ja besser als den Gemeindepfarrer."

Zurück
Polizei- und Notfall-Seelsorger Thomas Melloh Foto: Körtling