Friedenskirche Friedensfenster
Friedenskirche Sendenhorst | Foto: Manfred Böning

Aktuelles aus dem Kirchenkreis Hamm

"Letztlich wollen wir den Segen Gottes haben"

 

Taufgottesdienste in Zeiten der Pandemie

"Es war eine richtig schöne Taufe von Jakob", schwärmt Dorothee Schlotböller. Aufgrund der Pandemie fand sie nur im kleinen Kreis statt, ganz familiär, mit Freunden und Verwandten. Schon die kirchliche Trauung der Eheleute 2020 in der Alten Kirche in Bönen wurde unter Corona-Bedingungen gefeiert. "Es war ganz anders als man sich das gewünscht hätte", sagt Christian Schlotböller. "Wir haben mit 32 Personen in ganz kleinem Kreis kirchlich geheiratet", erzählt seine Frau. Und sie ergänzt schmunzelnd: "Es war trotzdem schön, auch wenn ich mit Maske zum Altar geführt wurde." 

Am 2. Advent - in der sogenannten vierten Welle - fand die Taufe ihres Sohnes Jakob unter den vorgeschriebenen Hygienemaßnahmen statt. Im Unterschied zu anderen Eltern, wollten sie aber nicht darauf warten, bis sich die Lage entspannt. "Taufe ist für uns die Zusage Gottes und die Begleitung für Jakob von Anfang an", erklärt Dorothee Schlotböller, warum sie ihren Sohn möglichst schnell nach der Geburt taufen ließen. "Wir haben nicht gedacht, dass die Lage besser wird und wollten nicht den Termin verschieben", ergänzt ihr Mann. 

Eigentlich finden Taufen traditionell sonntags im Gemeindegottesdienst statt als ein klares und sichtbares Zeichen: der Täufling wird durch die Taufe Mitglied der kirchlichen Gemeinde. "Letztlich ist es eine weltweite Aufnahme in die Gemeinschaft von Christen", erklärt Pfarrer Detlef Belter. Und er sagt lachend: "Vor 2000 Jahren hat Jesus mit seinem Missionsbefehl den ersten Schritt zur Globalisierung getan." Aber die Pandemie nimmt Einfluss nicht nur auf das gesellschaftliche, auch auf das kirchliche Gemeindeleben und somit auch auf die Gottesdienste von Konfirmationen, Hochzeiten, Beerdigungen sowie Taufen. 

"Wegen Corona haben wir uns entschieden, die Taufe im kleinsten Kreis zu zelebrieren", sagt Dorothee Schlotböller. "Insgesamt waren wir nur 21 Personen." Diese persönliche "Familientaufe" ermöglichte aber eine große Beteiligung der Angehörigen beim Taufgottesdienst. Der Pate zündete die Taufkerze an, die Patin las den Taufspruch vor. Die Geschwister der Eltern übernahmen die Fürbitten, und die beiden großen Neffen von Jakob - im Alter von vier und sieben Jahren - durften das Wasser vom Altar holen und in die Taufschale gießen. Es war somit eine Taufe in und mit der Familie und letztlich auch für die Familie - und für Jakob natürlich.

"Es ist schon eine Zerrissenheit zwischen dem Anspruch, `in die Gemeinde zu taufen´ und dem Anliegen, die Bedürfnisse der Familien zu berücksichtigen", sagt Pfarrer Belter. "Ohne Corona hätten wir die Taufe wohl im Gemeindegottesdienst zelebriert", erklärt Dorothee Schlotböller, aber im kleinen Rahmen sei es persönlicher gewesen. Ob Hochzeit oder Taufe - "kirchliche Feiern sind doch unabhängig von Corona", sagt ihr Mann. "Corona bestimmt nur den Rahmen." Dabei sind die Eltern sich einig: "Letztlich wollen wir den Segen Gottes haben." 

Ob in Zukunft Taufgottesdienste im kleinen Familienkreis wie bei Jakob nur die Ausnahme bzw. eine Notlösung in Zeiten der Pandemie bleiben, oder ob sie sich dauerhaft in den Gemeinden etablieren werden, bleibt abzuwarten. "Am Ende meiner Dienstzeit hat Corona mir deutlich klar gemacht, für Familien im kleinen Rahmen einen persönlichen Taufgottessdienst zu feiern", sagt Pfarrer Belter. "Menschen feiern gerne Gottesdienst", schildert der langjährige Gemeindepfarrer seine Erfahrungen und ergänzt: "wenn es denn für sie persönlich ist."


Das Foto zeigt: Pfarrer Detlef Belter, Christian und Dorothee Schlotböller mit Jakob bei dessen Taufe am 2. Advent im Bodelschwingh-Haus in Bönen

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Taufe von Jakob am 2. Advent Foto: Ingo Grübel