Friedenskirche Friedensfenster
Friedenskirche Sendenhorst | Foto: Manfred Böning

Aktuelles aus dem Kirchenkreis Hamm

"Auch Du bist ein Stern!"

 

Advents- und Weihnachtszeit in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Hamm

"Wünschen würde ich mir insbesondere in diesen Tagen längere Umschlusszeiten, um nicht 23 Stunden am Tag allein in der Zelle sein zu müssen - und gute Literatur", sagt Uwe. Er ist Gefangener der Justizvollzugsanstalt (JVA) Hamm und verbringt sein zweites Weihnachten in Untersuchungshaft.

"Viele der Gefangenen sind gerade in diesen Wochen emotional sehr berührt, weil ihnen die Trennung von ihrer Familie in dieser Zeit besonders schmerzhaft bewusst wird", sagt Hartmut Louis. Seit 10 Jahren arbeitet der Pfarrer als Gefängnisseelsorger im Justizvollzugskrankenhaus Fröndenberg und in der JVA Hamm. Seine Gemeinde besteht aus den Menschen, die hinter den Mauern der JVA leben oder arbeiten. Seine Hauptaufgabe sind die seelsorglichen Einzelgespräche, durch die er Gefangene teilweise über Jahre intensiv begleitet.

"Mich fasziniert das Vertrauen, mit dem Gefangene sich in seelsorglichen Gesprächen mit ihren sehr persönlichen Themen öffnen und auf den Punkt kommen", sagt der 60-Jährige. Oft suchen auch Angehörige das Gespräch mit dem Pfarrer. Auf Wunsch biete er Paargespräche in der Besuchsabteilung an. Solche seelsorglichen Gespräche musste er allerdings seit der Pandemie stark einschränken oder ganz aussetzen. "Lange Zeit waren Besuche von Angehörigen gar nicht möglich, dann nur mit Trennscheibe und Masken; Berührungen von Partner*innen und Kindern waren nicht möglich", so Louis. Als für Geimpfte die Trennscheibe beim Besuch entfiel und eine Umarmung wieder möglich war, flossen Freudentränen der Erleichterung. 

Weihnachten im Gefängnis und dann unter Corona-Bedingungen ist doppelt schwer. Pfarrer Louis kennt die Sorgen und Nöte der Gefangenen und deren Familien und weiß, was gerade die Vorweihnachtszeit für sie bedeutet. "Weihnachten ist für mich ein Fest mit der Familie und Freunden, die von überall her zusammenkommen und die Tage gemeinsam verbringen", sagt Uwe und hat klare Vorstellungen von der Weihnachtszeit: "Das Jahr Revue passieren zu lassen, zu erzählen, zuzuhören, am Leben der anderen teilzunehmen; die Verbundenheit und Zuneigung zu spüren, dass man nicht allein ist. Die Besinnung auf das, was wirklich wichtig ist", erzählt er sehnsüchtig, denn er weiß genau: "All dies ist im Gefängnis nicht möglich und macht das Alleinsein überdeutlich und unerträglich", so der Gefangene.

Gegen diese Trostlosigkeit versucht Pfarrer Louis mit besonderen Aktionen und Zeichen entgegenzuwirken. "Ich bin froh und empfinde es als sehr besonders, dass nicht nur im Gottesdienstraum ein Adventskranz und zu Weihnachten ein geschmückter Baum zu sehen ist - sondern auch im Hafthaus selbst", erklärt der Seelsorger.

Wichtig seien auch die Weihnachtstüten, die einen Weihnachtsgruß, Süßigkeiten und Kaffee enthalten und Heiligabend an alle Gefangenen verteilt werden. "Einer der Höhepunkte der Advents- und Weihnachtszeit ist neben den Gottesdiensten sicherlich die Tradition der Weihnachtsfeier für alle Gefangenen", erzählt Pfarrer Louis. Vorbereitet durch die Gefängnisseelsorge zusammen mit externen Gruppen werden meditative Texte gelesen, Musik gehört und Lieder gesungen. Im Anschluss gebe es ein gemeinsames Kaffeetrinken.

"In diesem Jahr gab es ein besonderes Highlight: Drei Kirchen-Clowninnen präsentierten ihr Programm `Advent heißt Warten´", erzählt Pfarrer Louis und ist beeindruckt von der emotionalen Reaktion seiner Gemeinde: "Ich werde das Strahlen in den Augen der Gefangenen nicht vergessen, als diese von den Kirchen-Clowninnen einen Strohstern überreicht bekamen mit den Worten: ‚Auch Du bist ein Stern!'"


 

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Gefängnisseelsorger Hartmut Louis (v.r.) und die drei Kirchen-Clowninnen Gertrud (Pfarrerin Elke Markmann), Adelgunde von Fleckenstein (Pfarrerin i.R. Helga Henz-Gieselmann) und Mats (Pfarrerin Susanne Kuhles) gestalteten mit ihrem Programm "Advent heißt Warten" die diesjährige Weihnachtsfeier in der JVA Hamm. Foto: JVA