Friedenskirche Friedensfenster
Friedenskirche Sendenhorst | Foto: Manfred Böning

Aktuelles aus dem Kirchenkreis Hamm

Ohne Abstand

 

Weihnachtsgruß von Superintendentin Kerstin Goldbeck 

Die Frau in der Supermarktschlange dreht sich um zu dem Mann, der da mit seinen Einkäufen im Arm dicht hinter ihr steht: „Halten Sie bitte Abstand!“, sagt sie entschieden, und er geht brummelnd zwei Schritte zurück.

Abstand halten: seit nun bald zwei Jahren begleitet uns dieses Gebot. In Klassenräumen und Sitzungszimmern, in Warteschlangen, in Fernsehtalkshows, Büros und Kinos: überall halten wir Abstand. So lang schon gibt es keine unbefangene Umarmung zur Begrüßung mehr, kein vertrautes Gespräch mit dicht zusammengesteckten Köpfen, erst recht kein Probierschluck aus dem Glas des Freundes! Wir haben uns drein geschickt aus Angst vor dem Virus, denn wir mussten lernen, die Nähe anderer Menschen als gefährlich zu empfinden. Dabei brauchen wir sie doch so sehr!

Einer aber durchbricht alle Abstandsregeln. Er überwindet die unendliche Distanz zwischen Himmel und Erde. Für Götter galt doch immer ein Abstandsgebot! Sie wohnten in der Oberwelt, auf Heiligen Bergen, in der Endlosigkeit des Himmels. Unser Gott aber hat schon vor der Zeit Sehnsucht nach uns gehabt; darum hat er uns geschaffen: Menschen nach seinem Bilde. Aus Sehnsucht und Liebe wird er selber Mensch in der Nacht von Bethlehem: Kein Abstand mehr! Er legt Kindern die Hände auf, berührt Kranke, er gibt den Hungernden zu essen und den Suchenden Sinn. Er berührt Menschen mit seiner Zuwendung und seinen Worten und lässt sich von ihnen und ihrem Leid selber berühren. So tief dringt er ein in unsere menschliche Existenz, dass sie ihn am Ende das Leben kosten wird, damit er für uns alle das Leben gewinnt.

Seitdem ist er nah, auch da, wo niemand sich uns mehr nähern darf. Er begegnet uns unverhofft in einem Lied, in den alten Worten der Weihnachtsgeschichte, in der Stille, im Lauschen. Er ist nah in der Fülle unserer Aufgaben, in der Leere unserer Tage, im grauen Einerlei des Alltags, er ist nah in angstvollen Nächten, er sitzt auf dem leer bleibenden Platz am Tisch – immer nur ein Gebet weit entfernt. Damit wir in allem, was uns widerfährt, ganz gewiss sind: Wir sind nicht allein!

Ein frohes, gesegnetes Weihnachtsfest in diesem Vertrauen wünscht Ihnen von Herzen

Kerstin Goldbeck                    
Superintendentin im Ev. Kirchenkreis Hamm        
 

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Superintendentin Kerstin Goldbeck