Friedenskirche Friedensfenster
Friedenskirche Sendenhorst | Foto: Manfred Böning

Aktuelles aus dem Kirchenkreis Hamm

"Sport ist das Brennglas der Gesellschaft"

 

38. Woche der Brüderlichkeit mit spannendem Vortrag zum Thema "Sport und Antisemitismus" eröffnet

Die diesjährige "Woche der Brüderlichkeit" stand unter dem Motto "Fair Play - jeder Mensch zählt. Eine passendere Referentin zu diesem Motto war kaum denkbar: Michaela Engelmeier war nicht nur Mitglied der Judo-Damen-Nationalmannschaft, auch nach ihrer aktiven Wettkampf-Karriere war und ist sie in vielen Funktionen rund um den Sport tätig. Als Pfarrer Carsten Dietrich, Sprecher des Arbeitskreises Woche der Brüderlichkeit in Hamm, die rund 40 Besucher der Eröffnung begrüßte, verwies er auch darauf, dass die Rednerin zuletzt als Leiterin des Hauptstadtbüros des jüdischen Sportverbands Makkabi Deutschland mit ihrer Einrichtung mit der Buber-Rosenzweig-Medaille ausgezeichnet wurde.

Nach einem Grußwort des Oberbürgermeisters (OB) Marc Herter begann Engelmeier mit ihrem berührenden und auch stellenweise schockierenden Vortrag zum Thema "Sport und Antisemitismus". "Es ist ein schweres Thema, denn eigentlich sollte Antisemitismus nach 1945 in Deutschland doch kein Thema mehr sein", sagte die Referentin zu Beginn. Mit vielen eindrücklichen Beispielen zeigte sie aber auf, dass Antisemitismus durchaus noch ein Thema ist. Das bezog sie ebenso auf Situationen in den Arenen, wie auf der Verbands- und Funktionärs-Ebene.

Engelmeier, die aktuell als Antisemitismus-Beauftragte des Landessportbunds Nordrhein-Westfalen arbeitet, war und ist stets nah am Geschehen. Aus ihrer Erfahrung könne man nicht mehr sagen "Wehret den Anfängen", dann sei man bereits mitten in dem Problem. In der Welt des Sports finde sich die Gesellschaft wie in einem Brennglas wieder, und dort gebe es Unerträgliches in allen Bereichen. In einem Beispiel schilderte Engelmeier, wie eine Mutter beim Spiel eines Makkabi Fußballvereins aufschrie "Die Juden hätten doch den Schiri gekauft". Das Schlimmste an dieser Hetzerei: es seien keine Sanktionen erfolgt - weder vom Schiedsrichter vor Ort, noch vom Verband. 

So groß und verletzend das Problem auch sei, umso mehr freue sich Engelmeier über positive Ansätze. Der Makkabi-Sportverband Deutschland - in dem es neben Menschen jüdischen Glaubens auch Christen und Muslime gebe - hat mit seinem Projekt "Zusammen 1" bereits große Erfolge erzielt: Dabei erhalten Trainer, Jugendbetreuer, Verbandsvertreter und Schiedsrichter Weiterbildungen, die helfen Antisemitismus zu erkennen und zu bekämpfen. Zudem wurde auch der Iran wegen seiner Israel-Feindlichkeit vom Welt-Judo-Verband boykottiert. Und beim Projekt International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA) sind zuletzt auch Vereine wie Bayern München oder Schalke 04 Mitglied geworden und arbeiten ihre Geschichte auf.

Zudem bietet der Makkabi-Sportverband auf seiner Internetseite die Möglichkeit, antisemitische Vorfälle zu melden. Die Fallzahlen seien zwar erschreckend, doch mache jede Meldung auch deutlich, dass das Bewusstsein sensibler werde. Abschließend betonte Engelmeier, dass Antisemitismus sich nicht "nur gegen Juden", sondern gegen die freie Gesellschaft insgesamt richte.     
 

Zurück
BU OB Marc Herter, Michaela Engelmeier und Pfarrer Carsten Dietrich bei der Eröffnungsveranstaltung. Foto: Körtling