Friedenskirche Friedensfenster
Friedenskirche Sendenhorst | Foto: Manfred Böning

Aktuelles aus dem Kirchenkreis Hamm

"Wir haben sogar eine denkmalgeschützte Garage!"

 

Internationaler Denkmaltag am 18. April

Am 18. April findet der Internationale Denkmaltag statt. Seit 1983 begehen der Rat für Denkmalpflege (ICOMOS) und die Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation (UNESCO) diesen Tag zum Schutz und zur Pflege von Denkmälern. Dabei handelt es sich um sogenannte Zeugnisse der Geschichte, deren Erhalt im öffentlichen Interesse ist. In Nordrhein-Westfalen stehen rund 80.000 Baudenkmäler, etwa 5.800 Bodendenkmäler und mehr als 800 bewegliche Denkmäler - wie Lokomotiven, Schiffe und Hafenkräne - unter Denkmalschutz. Das betrifft nicht nur öffentliche Einrichtungen oder Privatleute.

2020 wurden 120 Baudenkmäler innerhalb der Ev. Kirche von Westfalen (EKvW) neu unter Denkmalschutz gestellt; vier davon im Kirchenkreis Hamm. Dabei handelt es sich nicht nur um Kirchen, sondern auch um Gemeindehäuser oder andere kirchliche Gebäude. "Schön ist es, so ein Erbe zu bekommen", sagt Diplom-Ingenieur Lutz Kusch, "aber es ist auch eine Last." Als Abteilungsleiter Bau, Liegenschaften und Friedhöfe im Kirchenkreis Hamm betreut er die kirchlichen Gebäude und weiß: "Sobald ein Gebäude als geschützt bewertet wurde, ist nicht mehr allein die Kirche zuständig, sondern jeder Entscheidung muss die Behörde zustimmen." Dies sei selbst der Fall, wenn nur ein kaputtes Fenster ausgetauscht werden müsse. Damit sind nicht nur zusätzlicher Aufwand und Bürokratie verbunden, auch höhere Kosten kommen auf die jeweiligen Gemeinden zu. Zwar können sie u.a. Landesmittel zur Förderung beantragen, aber "die Zuschüsse entsprechen nicht den klaren Auflagen", so Lutz Kusch. Es gebe nicht einmal eine Steuererleichterung bei erforderlichen Baumaßnahmen.

Die Gründe, ein Gebäude unter Denkmalschutz zu stellen, sind vielfältig: soziokulturelle, stadtgeschichtliche, historische, architektonische oder künstlerische. Nicht selten ruft die Entscheidung Unverständnis bei den Kirchengemeinden und auch bei Architekt Kusch hervor: "Wir haben sogar eine denkmalgeschützte Garage", erklärt er und ergänzt kopfschüttelnd: "Wir hätten sogar eine denkmalgeschützte Schrankwand, wenn wir nicht aufgepasst hätten".

So sehr Kusch als Architekt den Schutz von Denkmälern befürwortet, so kritisch sieht er ihn für den kirchlichen Bereich. Denn die Entscheidung, ein Gebäude unter Denkmalschutz zu stellen, trifft allein das Westfälische Amt für Denkmalpflege in Münster. Es gebe zwar eine Mitsprache, diese sei jedoch gering und habe auf den Sachverhalt der Schutzwürdigkeit kaum eine Auswirkung. Was ihn dabei besonders stört: Die Entscheidung des Amtes erwecke den Anschein, das Land müsse die Kirchengebäude schützen, weil die Kirche es nicht täte. Das Gegenteil sei der Fall. "Die Gemeinden gehen doch sehr verantwortungsbewusst mit ihren sakralen Gebäuden um", versichert Lutz Kusch. "Niemand entwidmet leichtfertig ein Gotteshaus."
 

 

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Denkmaltag 2021
ThomasKulturKirche Wiescherhöfen mit Pfarrhaus und Garage sind denkmalgechützt. Foto: Heinz Feußner