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Friedenskirche Sendenhorst | Foto: Manfred Böning

Aktuelles aus dem Kirchenkreis Hamm

"Wir haben Leben gerettet"

 

Ev. Religionskurs für Engagement für Menschenrechte von Amnesty geehrt

"Mit dieser Urkunde wird das besondere Engagement am Bischöflichen Berufskolleg St. Michael in Ahlen für den Schutz der Menschenrechte beim Briefmarathon 2020 gewürdigt."

Diese Urkunde, vom Generalsekretär von Amnesty International in Deutschland unterschrieben, hat jetzt der Ev. Religionskurs der Stufe 12 freudig und voller Stolz erhalten. Sie ist eine Anerkennung für seinen Einsatz für die Menschenrechte. Den Anstoß für dieses Engagement der Schüler/-innen gab bereits 2019 eine eher zufällige Bemerkung ihrer Religionslehrerin: "In einer Stunde habe ich erzählt, dass in einigen Ländern auch heute noch Menschen öffentlich enthauptet werden, wie in Saudi-Arabien", sagt Dr. Petra Gosda. Als Schulpfarrerin unterrichtet sie seit drei Jahren u.a. am Bischöflichen Berufskolleg St. Michael das Fach Evangelische Religion. Dieser eine Satz berührte die Schüler/-innen tief. "Ich war echt geschockt, weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass in anderen Ländern heutzutage noch solche menschenverachtenden Strafen vollstreckt werden", erinnert sich Laura. Schnell entstand bei ihr und dem ganzen Kurs der Wunsch, sich nicht nur über die Schicksale zu unterhalten, sondern sich aktiv gegen dieses Unrecht zu engagieren. "Kurzerhand haben wir die Vorsitzende der Ahlener Ortsgruppe von Amnesty International eingeladen", erklärt Dr. Gosda. "Sie berichtete im Kurs über den jährlich durchgeführten Briefmarathon." Bei dieser Aktion schreiben zum Tag der Menschenrechte am 10. Dezember hunderttausende Menschen weltweit Millionen Briefe - an Menschen, deren Rechte verletzt werden, und an Regierungen, die die Menschenrechte missachten. "Der gesamte Religionskurs war sofort begeistert von der Idee, sich an dieser Aktion zu beteiligen", freut sich die Schulpfarrerin und ergänzt: "es kamen ca. 200 unterschriebene Briefe zusammen." Mit ihren Schreiben setzten sich die Schüler/-innen für den Jugendlichen Magai Matiop Ngong aus dem Südsudan ein, gegen den das Todesurteil verhängt wurde. Sein Cousin kam zu Tode, als der Jugendliche mit einem Gewehr hantierte. Zum Zeitpunkt des Unfalls war Magai erst 15 Jahre alt. "Wir waren entsetzt, dass auch Kinder zur Todesstrafe verurteilt werden", erinnert sich Jana. "Wir waren ja fast in demselben Alter", ergänzt Lana.

Keiner der Jugendlichen hatte wirklich an den Erfolg ihrer Aktion geglaubt. Aber als einige Monate später von Amnesty die Nachricht von der Aufhebung des Todesurteils gegen Magai auf Grund der Protestbriefe kam, war die Freude riesengroß. "Wir haben es geschafft", strahlte Ina. "Wir haben Leben gerettet!"

Beflügelt durch diesen Erfolg engagierte sich der Ev. Religionskurs auch im Dezember 2020 wieder beim Briefmarathon. Dieses Mal kamen sogar 645 Protestbriefe zusammen, mit denen sich die Schüler/-innen u.a. für eine Frauenrechtlerin in Saudi-Arabien einsetzten. Ob ihr Einsatz auch dieses Mal wieder Leben retten wird, ist noch ungewiss. Aber die Jugendlichen ziehen auch jetzt schon ein positives Fazit. "Ich bin froh, dass wir dieses Thema nicht verdrängt haben", gesteht Laura. "Es ist schön", ergänzt Hannes, "dass wir etwas bewirken können, ohne vor Ort zu sein." "Es ist ja eigentlich nur Glück", sagt Lana nachdenklich, "dass wir in Deutschland geboren sind und nicht in Afrika." Unabhängig davon, ob das Engagement mit einer Urkunde offiziell geehrt wird oder nicht. Alle zwölf Schüler/-innen des Ev. Religionskurses sind sich einig: "Wir sind beim nächsten Mal auf jeden Fall wieder dabei!"


Amnesty International
Amnesty (englisch Begnadigung) International ist die weltweit größte, unabhängige Bewegung, die für Menschenrechte eintritt. Sie finanziert sich allein aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen. Seit 60 Jahren engagieren sich in über 150 Ländern Menschen verschiedener Altersgruppen, Religionen, Nationalitäten und Kulturen für Einzelfälle nach dem Motto: Mit Menschlichkeit für die Menschenrechte. Die Aktionen basieren auf den Grundsätzen der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Für ihren Einsatz erhielt Amnesty 1977 den Friedensnobelpreis. Weitere Informationen: www.amnesty.de.

 

 

 

 

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Brifmarathon
Mit dieser Urkunde wurden die Schülerinnen und Schüler für ihren Einsatz für die Menschenrechte offiziell durch Amnesty International geehrt. FOTO: Privat