Friedenskirche Friedensfenster
Friedenskirche Sendenhorst | Foto: Manfred Böning

Aktuelles aus dem Kirchenkreis Hamm

"Hakuna matata"

Eindrücke von einer Reise nach Kenia - Ein Interview

Die Ahlener Pfarrerin Dr. Petra Gosda (53) unternimmt eine Reise nach Kenia, in das kleine Dorf Majaoni. Sie unterstützt drei Mädchen mit einer privaten Schulpatenschaft und lernt Pastor Jonathan Maendeleo kennen. 2019 hat er die kleine christliche Gemeinde Gospel Revival Church Majaoni (Kirche der Erweckung des Evangeliums) mit Hilfe deutscher Spendengelder gegründet. Eine Woche lang engagiert sich die deutsche Theologin in der Gemeinde, unterrichtet in der Kirchenschule und predigt täglich im Gottesdienst. Hier erzählt sie von ihren Eindrücken und Erlebnissen.

In welcher Situation leben die Kinder?

Dr. Gosda: Die Armut lässt sich nicht übersehen. In einem Haus sitzt die Jugend des Dorfes vor einer Playstation, während draußen die jüngeren Kinder im Schmutz mit Müll spielen. Möglichkeiten für sinnvolle Beschäftigungen fehlen. Umso wichtiger ist Pastor Jonathans Initiative der Kirchenschule, für die die Eltern kein Schulgeld bezahlen müssen. Oft verlassen die Väter die Familie, und die Mütter halten sich und ihre Kinder mit Gelegenheitsarbeiten über Wasser. Aber oft hungern die Kinder auch. Aufgrund der schwierigen Situation der Frauen ist es umso wichtiger, dass die Mädchen zur Schule gehen und eine Ausbildung machen. So geraten sie vielleicht nicht in den Teufelskreis von Armut, Kinderheirat und zahlreichen Schwangerschaften. Zwei Schulpatenschaften konnte ich vermitteln. Aber es braucht noch viel mehr.

Was macht einen afrikanischen Gottesdienst aus?

Dr. Gosda: Der Höhepunkt der Woche ist der Sonntagsgottesdienst. Bereits ab fünf Uhr morgens singt sich die Band ein - in typisch kenianischer Lautstärke. Ohne Musik gewinne man keine Gemeindemitglieder, so der Pastor. Die kleine Kirche ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Band spielt und singt sich und die Gemeinde förmlich in Ekstase. Hingebungsvoller Gesang wechselt ab mit unglaublich schnell gesprochenen Gebeten. Es ist wie ein Rausch, dem sich auch unterkühlte Europäer kaum entziehen können. Am meisten beeindrucken mich die Kinder der Sonntagsschule: Singend ziehen sie in die Kirche ein und führen ihre Tänze vor. Schon die Allerkleinsten wirbeln in wilden Bewegungen barfuß über den staubigen Boden der Kirche. Es ist ein Ausbruch von Lobpreis und Lebensfreude. Die Menschen rufen Halleluja, Amen und wollen nicht glauben, dass wir im Gottesdienst gar nicht tanzen und jubeln ...

Was kann die deutsche Kirche von der afrikanischen lernen?

Dr. Gosda: Die Menschen hier haben nicht viel, leben in Armut. Die Kirche besteht aus einer Wellblechhütte mit Plastikstühlen. Die Instrumente der Band sind nur geliehen. Corona hat vielen die Arbeit und Existenz genommen. Trotzdem haben die Gläubigen tiefes Gottvertrauen und starke Lebensfreude. Wir dagegen lassen uns von unserer Angst lähmen. Die Menschen, die nichts haben, machen etwas Wunderbares daraus: auch mit wenig kann das Feuer des Evangeliums brennen. Ich wünsche mir, ein wenig von dieser Begeisterung nach Deutschland in meine Heimatkirche mitnehmen zu können.

Was hat Sie besonders beeindruckt?

Dr. Gosda: "Hakuna matata!" Der afrikanische Spruch scheint das Lebensgefühl in Kenia zu sein. Aufbau und Zerfall stehen hier direkt nebeneinander. Die Menschen richten sich im Dauerprovisorium ein. Nichts ist fertig oder perfekt, aber man macht hier kein Problem daraus: Hakuna matata!


Schulpatenschaften
Bildung ist der beste Schutz vor Armut. Im Rahmen einer privaten Initiative durch die deutsche Professorin Dr. Sigrid Tschöpe-Scheffler wird die Schulausbildung gerade von Mädchen durch Schulpatenschaften gesichert. Mit etwa 120 Euro im Jahr für das Schulgeld können die Mädchen weiter zur Schule gehen und werden vor einer frühen Verheiratung geschützt. Zudem wird eine Unterstützung zur Finanzierung der Kirchenschule benötigt. Das monatliche Gehalt der gemeindlichen Lehrerin (50 Euro) ist nur noch bis Ende des Jahres gesichert. Auskunft bei Pfarrerin Dr. Petra Gosda: petra.gosda@kirchenkreis-hamm.de

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Pfarrerin Dr. Gosda
Pastor Jonathan Maendeleo und Pfarrerin Dr. Petra Gosda, in einem traditionellen kenianischen Kleid, vor der Kirche in dem Dorf Majaoni. Foto: Fidelia Gosda